34°C, die Sonne brennt vom strahlend blauen Himmel und die hohe Luftfeuchtigkeit verursacht ein leicht klebriges Gefühl auf der Haut... es ist Weihnachten und ich bin in Paraguay.
Wie jedes Jahr habe ich es bis jetzt nicht geschafft auch nur einen Funken Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen und wie jedes Jahr starte ich tapfer meine CD mit den klischeehaftesten Weihnachtsliedern, die ich finden konnte. Ich beginne mit den Vorbereitungen der Festlichkeiten und während sich tellergrosse Schweissflecken unter meinen Armen bilden, trällert Bing Cosby von einer weissen Weihnacht. Nach einer Stunde mit Liedern über Schlittenfahrten, Schneemänner, kuscheligen Stunden vor dem Kamin und einem bedeutungsvollen "Ernsthaft???" von Pierre, beschliesse ich dem akustischen Albtraum ein Ende zu setzen.
Es ist kurz nach Mittag und das halbe Dorf scheint auf den Beinen zu sein. Alte, klapprige Pickups mit gestapelten Stühlen und gestapelten Familienmitgliedern auf den Ladeflächen passieren unser Grundstück. Die Menschen sind fröhlich und in Feierstimmung. Für den Ruhe und Frieden suchenden Auswanderer sind das ganz schlechte Nachrichten, denn der Paraguayer feiert laut und ausgiebig. Es sind bereits die ersten Soundchecks aus verschiedenen Richtungen zu vernehmen. Paraguayischer Kachaka, Harfen- und Akkordeon Musik mischt sich, je nach Standort des unfreiwillig Beschallten, zu einer riesen Kakophonie und ich überlege sogar kurz, ob ich Bing Cosby nicht doch noch eine Chance geben soll...
Es ist später Nachmittag und ich habe es doch noch geschafft ein wenig zu dekorieren. Eine Agave muss als Weihnachtsbaum herhalten, um einige Palmen habe ich glitzernde Girlanden gewickelt und nach einer Stunde "Entknotungsarbeit", hängt auch unsere Lichterkette am Haus. Es herrscht totale Windstille, es ist heiss wie in einem Backofen und ich habe keine Ahnung, was ich noch ausziehen soll, ohne, dass die Nachbarn erblinden. Schwitzend hoffe ich auf baldigen Sonnenuntergang und mache eine grosse Schüssel Kartoffelsalat.
Es ist früher Abend. Es ist etwas abgekühlt und die Paraguayer heizen ihre Grills an. Die Musik dröhnt aus vielen Richtungen und die Menschen tanzen, singen und ihre langgezogenen Freudenschreie hört man durch das ganze Dorf. Kaum ist das erste Grillfleisch fertig, beginnt eine gross angelegte Lebensmittelrotation. Nach und nach kommen die Nachbarn vorbei und bringen Grillfleisch, Mandioca und Sopa und holen sich dafür Kartoffelsalat, Würstchen oder was es sonst noch so bei uns gibt. Nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei und zurück bleibt eine Menge kaltes Grillfleisch und ein kleiner Berg Sopa.... ich hasse Sopa. Die Musik dröhnt immer noch aus verschiedenen Richtungen, alle Hunde des Dorfes bellen gemeinsam, die Nachbarn zünden einen Böller nach dem Anderen und meine besinnliche Weihnacht kann ich mir in die Haare schmieren. Genervt gehe ich früh ins Bett. Unsanft aus dem Schlaf gerissen werde ich allerdings noch einmal um Mitternacht, als die Nachbarn ihr Feuerwerk starten. Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir allerdings, dass dieses Feuerwerk nicht schön, sondern nur laut ist.
Am nächsten Morgen werde ich durch nur allzu bekannte Klänge geweckt... es ist 6 Uhr und die Feierlichkeiten sind immer noch in vollem Gange. Die Musik dröhnt, über Nacht ist unsere Lichterkette (ein chinesisches Qualitätsprodukt) durchgebrannt, im paraguayischen Fernsehen hüpfen pralle Latinas in Weihnachtsstrapsen herum und wie jedes Jahr muss ich einsehen, dass Weihnachten nie mehr so sein wird, wie es mal war. Pierre ist das alles völlig egal. Hauptsache, es gibt was Leckeres zu essen.
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Samstag, 27. Dezember 2014
Samstag, 26. Juni 2010
FIESTAAAARRRGGGHHHHH....
Zunächst möchte ich wirklich betonen, dass ich jeglicher Feier gegenüber aufgeschlossen bin und mich sehr gerne ins fröhliche Getümmel werfe. Allerdings gefallen mir jene Partys am besten, die nicht bei mir stattfinden und ich einfach verschwinden kann, wenn ich müde werde oder keine Lust mehr haben. Schon der Volksmund sagt: "Man sollte gehen, wenn es am schönsten ist!" Ausserdem ist auch sehr wichtig, dass ich hinterher nicht die Partyzone entseuchen muss.
In Südamerika finden die Menschen immer einen Grund eine spontane Fiesta aus dem Boden zu stampfen und es ist wirklich erstaunlich, wie schnell sich die Menschen hier versammeln, singen, tanzen und ihrem Temperament freien Lauf lassen. Entweder tauchen aus dem Nichts Leute mit Gitarren und Akkordeons auf und es wird paraguayische Polka gespielt oder sie fahren einfach ein Auto vor, in dem eine Anlage eingebaut ist, mit der Pink Floyd das letzte Konzert bestritten hat. Und das Schönste an all dem ist: KEIN NACHBAR BESCHWERT SICH!
Ich habe diese Fiestas bis jetzt wirklich genossen, allerdings hat sich seit einigen Wochen das Blatt für mich gewendet.
Es beginnt nun jeden Samstag zwischen 12 und 13 Uhr. Ganz friedlich sitzen einige Gäste in und vor unserem Lokal und geniessen Speisen und Getränke während sich im Hintergrund, erst ganz unauffällig und später doch deutlich sichtbar, kleine Menschengruppen bilden. Dieses Szenario erinnert mich ein wenig an Hitchcocks Meisterwerk "Die Vögel". Zu diesem Zeitpunkt beginne ich fieberhaft mit der Herstellung von Unmengen Fingerfood und Pierre fährt meistens noch einmal los um den Biervorrat aufzustocken. (Gestern wurden 70 Liter und heute bis jetzt 90 Liter Bier konsumiert.... und jetzt gerade ist es erst 22:50 Uhr).
Um ca. 14:00 Uhr beginnen die Leute die Tische zu besetzen und jeder der vorbei kommt kennt irgendeinen unserer Gäste und bleibt auch einfach direkt bei uns. Im Moment trinken, singen und tanzen die Leute hier, Männer liegen sich in den Armen, die Frauen wurden schon vor einer Stunde mit den Kindern nach Hause geschickt, seit ca. 30 Minuten verschlingen die Biertrinker mein Fingerfood zu horenden Preisen und alle haben sich ganz doll lieb. Ich denke zwischen 2 und 3 Uhr morgens werden auch die Letzten gehen.....
Das Problem ist nur: HIER SIEHT ES AUS, ALS HÄTTE EINE BOMBE EINGESCHLAGEN!
Morgen früh um 7 Uhr wird der Wecker für uns klingeln, weil unsere Kühe und Pferde keinerlei Verständnis für unsere nächtlichen Aktivitäten aufbringen. Danach werde ich versuchen den Laden wieder halbwegs betretbar zu machen.
Und eine Frage habe ich noch: Müssen die beim Tanzen so schreien? Yeeehaaaayayayayyyyyy......
In Südamerika finden die Menschen immer einen Grund eine spontane Fiesta aus dem Boden zu stampfen und es ist wirklich erstaunlich, wie schnell sich die Menschen hier versammeln, singen, tanzen und ihrem Temperament freien Lauf lassen. Entweder tauchen aus dem Nichts Leute mit Gitarren und Akkordeons auf und es wird paraguayische Polka gespielt oder sie fahren einfach ein Auto vor, in dem eine Anlage eingebaut ist, mit der Pink Floyd das letzte Konzert bestritten hat. Und das Schönste an all dem ist: KEIN NACHBAR BESCHWERT SICH!
Ich habe diese Fiestas bis jetzt wirklich genossen, allerdings hat sich seit einigen Wochen das Blatt für mich gewendet.
Es beginnt nun jeden Samstag zwischen 12 und 13 Uhr. Ganz friedlich sitzen einige Gäste in und vor unserem Lokal und geniessen Speisen und Getränke während sich im Hintergrund, erst ganz unauffällig und später doch deutlich sichtbar, kleine Menschengruppen bilden. Dieses Szenario erinnert mich ein wenig an Hitchcocks Meisterwerk "Die Vögel". Zu diesem Zeitpunkt beginne ich fieberhaft mit der Herstellung von Unmengen Fingerfood und Pierre fährt meistens noch einmal los um den Biervorrat aufzustocken. (Gestern wurden 70 Liter und heute bis jetzt 90 Liter Bier konsumiert.... und jetzt gerade ist es erst 22:50 Uhr).
Um ca. 14:00 Uhr beginnen die Leute die Tische zu besetzen und jeder der vorbei kommt kennt irgendeinen unserer Gäste und bleibt auch einfach direkt bei uns. Im Moment trinken, singen und tanzen die Leute hier, Männer liegen sich in den Armen, die Frauen wurden schon vor einer Stunde mit den Kindern nach Hause geschickt, seit ca. 30 Minuten verschlingen die Biertrinker mein Fingerfood zu horenden Preisen und alle haben sich ganz doll lieb. Ich denke zwischen 2 und 3 Uhr morgens werden auch die Letzten gehen.....
Das Problem ist nur: HIER SIEHT ES AUS, ALS HÄTTE EINE BOMBE EINGESCHLAGEN!
Morgen früh um 7 Uhr wird der Wecker für uns klingeln, weil unsere Kühe und Pferde keinerlei Verständnis für unsere nächtlichen Aktivitäten aufbringen. Danach werde ich versuchen den Laden wieder halbwegs betretbar zu machen.
Und eine Frage habe ich noch: Müssen die beim Tanzen so schreien? Yeeehaaaayayayayyyyyy......
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