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Donnerstag, 22. April 2010

Der Dicke ist sauber

Meine Vorliebe, was Autos betrifft, ist eher die rasante Fortbewegung möglichst flach über dem Boden. Hier ist es unmöglich einen solchen Wagen zu fahren ohne innerhalb von zwei Tagen die meisten Teile in Schlaglöchern oder auf Buckelpisten zu verlieren. Also habe ich mich dem Druck gebeugt und der Anschaffung eines Geländewagens zugestimmt. Seit wir in Paraguay leben, ist Pierre stolzer Besitzer eines 2.8L Pajeros mit Alu-Rammbügel und Stollenreifen, liebevoll von ihm "der Dicke" genannt. Alles ist voll Knöpfe und Hebel und ich weiss von der Hälfte immer noch nicht, was diese eigentlich bewirken. Eigentlich ist es mir auch egal, ich mag mit diesem Fass sowieso nicht fahren, muss aber zugeben, dass es wirklich die beste Wahl war. Da keinerlei befestigte Strasse zu unserem Wohnhaus führt wären wir mit einem normalen PKW nicht gut bedient und spätestens bei Regen zu Fuss unterwegs. Wie auch immer...

Aus irgendeinem, mir nicht ersichtlichem Grund, ist Pierre der festen Überzeugung, dass dieses Auto völlig verdreckt sein muss und verweigert jegliche Reinigung des Selbigen. Bei unseren täglichen querfeldein Fahrten hatte sich der Dicke in den letzten Monaten eine mehrere Zentimeter dicke, rote Dreckkruste zugelegt die die Originalfarbe nur noch an einigen, wenigen Stellen erahnen liess. Nur die Scheinwerfer und die Windschutzscheibe wurden hin und wieder teilweise vom sich angesammelten Lehm befreit.
Nun begab es sich, dass der Wagen Vorgestern in die Werkstatt musste und der Mechaniker keinerlei Arbeiten verrichten konnte, bevor das Gefährt nicht zumindest vom schlimmsten Dreck befreit war. Also musste Pierre den Wagen waschen lassen. Kein wirkliches Vergnügen für die Autowäscher, die hier alles mithilfe eines kleinen Hochdruckreinigers und mit der Hand bewerkstelligen, daher dauerte die Reinigung alleine über eine Stunde. Der Wagen kam in die Werkstatt, wurde repariert und gestern Abend bekamen wir ihn zurück.
Heute morgen haben wir das Auto wie immer vor dem Laden geparkt und ich konnte kaum an mich halten als fast alle Kunden nach dem Auto fragten. Hier ein kleiner Auszug:

  • habt ihr ein neues Auto? Der Alte war doch rot... oder so.
  • habt ihr euer Auto beschriften lassen? Da ist ja jetzt euer Logo drauf!
  • was ist passiert? Wo ist denn euer Auto?
  • hast du deine Frau zu lange mit dem Auto alleine gelassen?
  • habt ihr den Wagen neu lackieren lassen?
  • hast du dir einen Neuen gekauft und deine Frau fährt jetzt den Braunen?

Pierre
war zunächst ein wenig amüsiert, dies änderte sich aber mit der Zeit, da ich mir meine spöttischen Bemerkungen nicht verkneifen konnte. Ich weiss aber schon genau, was bei der Heimfahrt passieren wird. Es hat heute Nacht wie aus Kübeln gegossen und nicht weit von unserem Haus befindet sich eine Senke in der sich nach solch heftigem Regen der Schlamm der Umgebung sammelt. Im Geiste sehe ich schon, wie sich beim Einfahren in die Senke die Schnauze des Dicken neigt und eine riesige Woge aus Schlamm und Lehm über das schöne, blitzblanke Auto hereinbricht.

Manche Dinge kann ich einfach nicht nachvollziehen.... Männer halt!

Mittwoch, 14. April 2010

Polvo rojo

Bereits in den 90ern gab es einige Jahre in denen ich unter einem ähnlichen Problem gelitten habe: Schwarze Möbel, weisser Hausstaub und als Krönung ein blonder Hund mit ausgeprägter Alopezie. (allerdings frage ich mich noch heute, was ich mir bei dem Kauf von schwarzem Interieur gedacht habe. Der hohe Konsum von Peach, Baileys und kleiner Feigling wird wohl das Seinige dazu getan haben.) Um der ständigen Staubwischerei zu entgehen gab es einfach ein absolutes Berührungsverbot für die Oberflächen sowie der Gegenstände die sich darauf befanden. Mit der Anschaffung von hellen Echtholzmöbeln war das Problem so gut wie gelöst.

Seit wir in Paraguay leben weiss ich, dass das bisschen Hausstaub in Deutschland und dessen beharrliche Bekämpfung einfach nur Zeitverschwendung war denn hier haben wir POLVO ROJO! Polvo Rojo ist immer und überall, es drückt sich durch jeden Spalt, jede Ritze und befällt Gegenstände nicht nur von oben, sondern von allen Seiten. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit bildet es einen schmierigen Film der nicht einfach mit einem Feudel weg zu wedeln ist... neeeiiiin... das Zeug klebt wie Sch****. Im Sonnenlicht sieht man wie sich grosse Wolken der roten Hygienebedrohung auf das Gebäude zubewegen, sich auf Fensterscheiben legt und unter der Türe hineinweht um von dort systematisch alles okkupiert. Für die vollständige Einsauung eines Zimmers braucht das Polvo höchstens zwei Stunden, innerhalb von zwei Tagen ist es möglich kleine, rote Sandburgen auf den Schränken zu bauen.
Auch Lebewesen bleiben nicht verschont. Die meisten von natur aus hellen Hunde sind dunkelrot, es gibt rote Schweine und Pferde und bei unserer abendlichen Dusche fliesst dunkelrotes Wasser in den Abfluss, das einen leicht dickflüssigen Eindruck macht. Den grössten Fehler den wir im Haus gemacht haben, war die Küche weiss zu streichen. Was haben wir uns denn dabei gedacht?