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Mittwoch, 21. April 2010

Donald und Daisy


Mit Stolz präsentiere ich:
Donald und Daisy... meine ersten, mit dem Inkubator gebrüteten Enten! Sind die Zwei nicht allerliebst?

In unserer Region sind wir so ziemlich die Einzigen, die grosse Bruterfolge mit der Brutmaschine aufzeigen können, Küken werden im allgemeinen aus Argentinien geliefert. Die häufigen und sehr langen Stromausfälle machen die Brüterei wirklich schwierig und es ist ziemlich kniffelig die richtige Temperatur und Luftfeuchtigkeit ohne Strom aufrecht zu erhalten.
Wir sind mit der Zeit aber recht erfinderisch geworden und haben schon einige Tricks entwickelt, um unsere Brut nicht zu verlieren. Die eine oder andere Nacht haben wir so schon verbracht.

Mit Enten hatte ich bisher keinerlei Erfahrung, darum habe ich erst einmal mit zwei Eiern geübt und wie man sieht, sind beide wohlauf. Die zwei sind so kuschelig und puschelig und ausnahmsweise sehe ich nicht das Bild von goldbraun gegrilltem Geflügel, wenn ich die beiden ansehe! Mein Beschluss ist, die Enten in die Familie aufzunehmen.

Ich habe schon grosse Pläne für das neue Zuhause: Ein Wasserpark mit verschiedenen Plantsch-und Schwimmbecken, ein Kükenbecken, eine Chill und Futter - Zone, ein kleiner Wasserfall mit See... meiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die aufkeimende Euphorie wird nur von der Tatsache gebremst, dass Pierre gestern noch nach Rezepten für Pekingente gesucht hat.


Freitag, 9. April 2010

Aber... das ist doch MEIN Schwein!

Heute hat der Tag zwar angefangen wie jeder Andere, als ich jedoch gerade unserem Schweinchen sein Frühstück servierte, stand plötzlich eine aufgeregte Frau an unserem Tor. Da mein spanisch immer noch nicht toll ist brauchte ich doch einige Zeit zu verstehen, was die Dame denn nun von mir wollte. Es stellte sich dann heraus, dass unsere kleine Mini-Sau eigentlich ihr gehört und vor wenigen Tagen gestohlen wurde. Sie konnte die Wutz genau beschreiben und verlangte natürlich den Namen und die Adresse des Verkäufers.
Sie hat ihre Informationen nun bekommen und ich hoffe, sie klärt den Sachverhalt mit dem Dieb und wir können unseren kleinen, grunzenden Sonnenschein behalten. Die Namensfindung haben wir aber trotzdem erst einmal auf Eis gelegt, das würde den Verlust des Schweinchens nur noch schlimmer machen.
Ich denke aber nicht, dass es so weit kommen wird. Wenn die Dame das Schwein wieder haben will, muss sie es meiner toten, kalten und erstarrten Hand entreissen.....


Dienstag, 6. April 2010

Ein Zuhause für das Schwein

Nachdem Pierre also seine phänomenale Neuanschaffung... das Schwein... mit nach Hause gebracht hat und das Selbige sogar die erste Nacht im Haus verbringen durfte (damit es sich nicht fürchtet, die arme Sau), habe ich heute verlangt, dass eine vorläufige Unterbringungsmöglichkeit nahe am Haus gebaut wird.
Eigentlich hatte ich erwartet, dass Pierre sich ein bisschen Mühe gibt und ihm einen kleinen Verschlag hinter dem Haus baut. Meine Vorstellung war in etwa Diese:

Was für einen Hund gut ist, sollte doch für ein Schwein absolut ausreichend sein. Also haben sich Pierre und seine rechte und linke Hand namens Santiago frisch ans Werk gemacht. Ich hörte sie hämmern und sägen, fluchen und sich gegenseitig für die gute Arbeit loben.
Leider wurde ich jäh in die Realität gestossen als ich gerufen wurde das Werk zu begutachten. Mitten auf der Terrasse haben die beiden DIESES gebastelt:

Dem Schwein mögen die architektonischen Besonderheiten, oder besser Auffälligkeiten sehr egal sein, ich bin allerdings ein wenig enttäuscht. Ich bin guter Hoffnung, dass der grosse Schweinestall meinen Vorstellungen ein wenig näher kommt, ich weiss jedoch, dass ich nicht allzu euphorisch sein sollte.
Das Schwein wurde also in sein neues Domizil entlassen und brauchte genau vier Sekunden um wieder auszubrechen. Pierres Kommentar als das Schwein im Galopp an uns vorbeirannte:
"Maus! Wieso hast du mir erlaubt, dass das Schwein hier bleiben darf?"

3 Kg Mett

Mein „noch“ Tagesabschnittsbereicherer hat mich auf das gröbste hinters Licht geführt. Hinterhältig hat er mir am Telefon eine Frage gestellt, aufgrund deren Formulierung ich diese nicht als Falle erkannt habe und bin dann blind und blauäugig in meinem unendlichen Vertrauen zu ihm hineingetappt. Schmach über ihn und das, was er wieder verbrochen hat.

Pierre: "Hallo Maus. Soll ich von unterwegs Schwein mitbringen?“
Ich: „Gute Idee! Was gibt es denn?“ (hier gibt es ja nicht immer alles zu kaufen)
Pierre: „Alles ist da. Rippen, Schinken, Bein....“
Ich: „Ja super, dann bring irgendetwas Leckeres mit.“
Pierre: „Klar, mach ich.“

Wie hätte ich bei diesem Gespräch Verdacht schöpfen können? (Obwohl... ich sollte es mittlerweile besser wissen!) Von jetzt an bin ich aber vorsichtiger, denn Pierre hat wirklich Schwein mitgebracht, nur blöderweise ein ganzes Schwein und es lebt noch. Das Ferkel ist ein Mädchen, zwei Monate alt, wiegt ca. 3kg, ist unser neuestes Familienmitglied und soll uns in Zukunft viele Ferkel bescheren. Unser Bauernhof ist damit fast komplett. Danke Pierre!
Bis jetzt ist uns noch kein Namen für die laufende Speckfabrik eingefallen. Wir hatten nur ein paar Ideen wie: Paris, Angelina, Posh oder Frau Merkel. Für Vorschläge die der Namensfindung dienlich sind, wären wir sehr dankbar!




Freitag, 2. April 2010

Ein Schaf sieht rot

Angelika macht mich wahnsinnig. Dieses Schaf verhält sich wie ein Hund und klebt uns auf Schritt und Tritt auf den Fersen, wenn es nicht gerade im Weg steht oder im Schneckentempo vor uns her läuft. Ausserdem kann sich das Vieh mit dem süssen Gesicht und den Teufelsaugen mittlerweile selber die Haustür aufmachen. Sobald sie in das Haus eingedrungen ist, verstreut Angelika unkontrolliert ihre kleinen Kackekugeln, ärgert die Hunde, versucht auf das Bett zu springen und frisst alles was sie kauen kann. Sollte der Eingang abgeschlossen und ein Eindringen somit unmöglich sein, wird sie äusserst ungehalten. Sie tritt wie ein Muli gegen die Türe und schreit wie am Spiess. Jetzt sollte man denken, dass die laufende Wollfabrik irgendwann damit aufhört... weit gefehlt. Gestern durften wir diese Vorstellung bis 2:30Uhr geniessen, dann hat eine unserer Kühe sie verjagt, vor den Rindviechern hat die Dame nämlich richtig Respekt. Bis 7:00Uhr war dann auch kein Laut mehr zu vernehmen, dann ging die Kuh frühstücken und Angelika brachte ihren Verdruss wieder lautstark zum Ausdruck.
Erstaunlich ist allerdings, wie eindeutig sich das Schaf artikulieren kann. Sie benutzt nur ihr „mäh“ aber in einer solchen Vielfalt von Betonungen, Stimmlagen, Lautstärken und Effekten, dass wir genau wissen, was sie sagen will. Ein wirklich aussergewöhnliches Tier, das muss ich zugeben.
Heute Abend habe ich Angelika in ca. 50m Entfernung vom Haus mit einer langen Leine an einen Baum gebunden. Es ist hier in den letzten drei Stunden wirklich erholsam still gewesen, jetzt laufe ich aber alle 20 Minuten zu ihr, um nach dem Rechten zu sehen.
Vielleicht binde ich gleich einfach eine Kuh vor die Haustüre und lasse Angelika wieder frei, oder ich lasse das Schaf im Bett schlafen und wir legen uns ins Auto. Mal sehen...

Donnerstag, 1. April 2010

Überraschung!!


Wenn Pierre alleine unterwegs ist, freue ich mich immer, wenn ich hier und da eine SMS als Lebenszeichen von ihm bekomme. Man weiss ja nie, was einem auf dem Weg zustösst.
Wirklich nervös werde ich aber, wenn eine dieser SMSen mit „Ich habe eine Überraschung für dich...“ anfängt.
So auch heute morgen. Ich bekam diese Nachricht des Schreckens und auch auf mehrmalige Nachfrage liess Pierre sich nicht dazu erweichen mir nähere Informationen zu dieser „Überraschung“ zu geben.
Um 12:30Uhr kam er dann nach Hause. Im Kofferraum hatte er Angelika untergebracht. Es war allerliebst mit anzusehen und anzuhören, wie Pierre versuchte mir schonend seine Neuanschaffung zu erklären, während aus dem Fond des Autos ein nicht zu überhörendes ...määäähhhh... ertönte.
Wir haben jetzt also auch noch ein Schaf, ein weiterer Futterfriedhof der am vorderen Ende unseren schönen Rasen vernichtet um dann am hinteren Ende unaufhörlich Exkremente in Kugelform verstreut.
Uuuiiiii, was eine schöne Überraschung, da freu' ich mich aber.
Macht nichts, ich habe eben einen Kübel Rosmarin gepflanzt, ich denke, Schaf und Kräuter werden ziemlich zeitgleich erntefähig.

Donnerstag, 25. März 2010

Kacke am Start!

Na, jetzt haben wir den Salat. Als wir gestern nach Hause kamen hing an unserem Tor, eingeknotet in einer Brötchentüte, ein Zettel. Ich muss dazu sagen, dass es hier keine Post gibt, wo wir wohnen gibt es ja noch nicht einmal Adressen. Unsere Adresse ist: "Hinter den Ruinen der Jesuiten". Eigentlich entspannend, denn die Werbewurfsendungen bleiben so auch aus.

Zurück zum Thema:
Wir haben also den Zettel ausgepackt und es war ein amtliches Dokument mit Stempel der Municipalidad. Morgen früh um 8:30Uhr hat man uns einen Termin beim Friedensrichter aufgebrummt und es geht um unsere Tiere. Ich weiss jetzt schon ganz sicher, dass wir auf jeden Fall schuldig sind. Da, wie ich bereits berichtet habe, unsere Hunde unsere gesamten Hühner hingerichtet haben, gibt es keinen Grund, dass die doofen Köter das nicht auch bei anderen Leuten getan haben. Normalerweise ist man selber dafür verantwortlich seine Hühner so unterzubringen, dass das nicht passieren kann, da hier alle Hunde frei herumlaufen. Bei Gringos (also wir) gelten da andere Regeln. Wir sind ja reich (jeder Einwanderer gilt hier als exorbitant vermögend und die Bevölkerung ist immer erpicht darauf, daran teilzuhaben).
Wie auch immer....

Im Moment gehen mir alle möglichen Szenarien durch den Kopf:

- Die Hunde sind irgendwo eingebrochen und haben 5 Hühner gefressen. Angezeigt wurden natürlich 30 Hühner, fünf Gänse, 3 Kühe und ein Kleinkind. Kosten: 3.000.000Gs.

- Die Hunde haben jemanden angesprungen der hingefallen ist und eine schmutzige Hose hatte. Angezeigt wird der Verlust eines Armes, zweier Familienmitglieder und der gesamten Garderobe. Kosten: 4.000.000Gs.

- Unsere Kühe sind vor einigen Tagen ausgebrochen. Vielleicht sind sie in einen Gemüsegarten eingebrochen und haben zwei Tomaten zertreten. Angezeigt wird der Verlust von 3 Hektar Borrito und mehreren Bäumen die Goldbarren trugen. Kosten 6.000.000Gs.

- Unsere Katze hat jemanden gekratzt und infolgedessen ist eine Hütte abgebrannt. Kosten: 8.000.000Gs.

- Unser Pferd hat gewiehert und davon ist .....

Ich unterbreche hier lieber meinen Gedankengang, das wird zu teuer für uns. Wenn ich also demnächst versuche jemanden von euch anzupumpen, wisst ihr warum!

Samstag, 20. März 2010

Der hungrige Hugo

Wir haben einen Hund übernommen, den unsere Nachbarn nicht mehr haben wollten. In der Hoffnung, dass er wegläuft haben diese einfach aufgehört ihn zu füttern. Also stand der hungrige Hugo (er heisst eigentlich Jerry), jeden Tag vor unserem Geschäft und hat sich ein wenig Futter erbettelt. Als er nur noch Haut und Knochen war, haben wir mit den Nachbarn gesprochen und Hugo adoptiert. Er wohnt jetzt seit einiger Zeit bei uns und wird täglich mindestens zwei mal reichlich gefüttert. Seltsamerweise hat er nicht wirklich zugenommen. Die Rippen sind immer noch zu sehen und die Wirbelsäule drückt sich durch den Rücken. Wir haben wirklich alles versucht: er wurde mehrmals entwurmt, hat Vitaminspritzen bekommen, bekam drei statt zwei Malzeiten, alle Impfungen die wir bekommen konnten haben wir ihm gegönnt, er wurde kastriert.... nichts hat geholfen.
Heute offenbarte sich uns des Rätsels Lösung, nein zwei Rätsel wurden gelöst:
Damit es keinen Streit gibt, füttern wir die Hunde mit gebührendem Abstand von einander. Hugos Futterplatz ist neben dem Haus, dort habe ich ihm auch heute morgen seinen gefüllten Napf serviert. Als ich ein paar Minuten später durch Zufall ums Haus ging sah ich wie unsere übergewichtige Stute (es wurde sogar eine Scheinschwangerschaft vermutet) den hungrigen Hugo mit gesenktem Haupt und angelegten Ohren vom Napf verjagte und sich seine gesamte Ration innerhalb kürzester Zeit einverleibte. Hundefutter! Danach rannte sie wie von der Tarantel gestochen zu unseren Kühen, praktizierte die gleiche Technik und wurde auch noch des Kuhfutters habhaft. Natürlich hatte das Pferd sich sein Futter schon längst einverleibt!

Wir haben also die letzten Wochen wirklich viel Geld für die zwei ausgegeben:

Hund:
Tierarztbesuche
Aufbaupräparate
Impfungen
Entwurmungen
Kraftfutter
Kastration
Vitamine
Antibiotika

Pferd:
Tierarztbesuche
Blutanalyse
Diätfutter

Als Pierre und ich das Geschehen diskutierten und erleichtert feststellten, dass es nun wirklich sehr einfach ist das Problem des dünnen Hundes und des dicken Pferdes zu lösen und ich mich in blumigen Worten darüber ausliess, erntete ich plötzlich einen seiner "Blicke" und er fing lauthals an zu lachen. (Pierre: 58kg, ich: 130kg)
Wir werden sehen... der kleine, dünne Franzose ist jetzt erst einmal auf Bewährung. Sein weiteres Verhalten wird zeigen, ob er in Zukunft wieder im Haus schlafen darf!

Mittwoch, 17. März 2010

Was für eine Nacht

Es fällt mir wirklich schwer in meinem momentanen Zustand mehrere Worte aneinanderzureihen, die dann auch noch einen Satz oder gar einen Sinn ergeben sollen. Mit glasigen Augen versuche ich den Bildschrim zu erkennen und die Augenlider habe ich mit Klebeband an der Stirn fixiert. Wogen von Müdigkeit lassen meinen Kopf immer wieder Richtung Brust sinken und nur der anschliessende Aufprall auf die Tischplatte verhindert, dass ich in Morpheus Armen versinke.

Wenn der geneigte Leser nun glaubt, ich hätte mir die nächtlichen Stunden mit Champagner und Erdbeeren versüsst, liegt er völlig falsch. Die Wirklichkeit sieht leider völlig anders aus.
Ich hatte gerade erst mein geplagtes Haupt zur Ruhe gelegt und die Decke über beide Ohren gezogen, als unsere vier Hunde alle zeitgleich den Aufstand probten. Eigentlich haben wir die Hunde zu diesem Zwecke angeschafft, sie sollen wachen und uns beschützen, aber normalerweise liegen sie verstreut mit allen vier Pfoten nach oben herum und schnarchen. Wenn die Herrschaften sich also zu einer solchen Aktion durchringen, muss etwas im Busch sein. Und das war es wirklich. Ein mir immer noch unbekanntes Tier hatte sich auf unser Grundstück verlaufen und rannte nun im Zick Zack Kurs zwischen den Bäumen hin und her. Das Problem dabei ist, dass unser Grundstück ein Hektar gross ist und dieses Tier eine Menge Platz zum rennen hatte und die doofen Hunde nicht leise jagen können. Neeiinnn, sie müssen dabei bellen und heulen. Nach ca. 30 Minuten (in denen ich natürlich gehofft habe, dass Pierre aufwacht und sich darum kümmert, ist er aber nicht.... obwohl... ich muss sagen, dass sich sein Schnarchen ziemlich unnatürlich anhörte...) habe ich mich mit meiner kleinen 22er Ladypistole und einer Machete bewaffnet und versuchte dem Problem auf den Grund zu gehen.
Wenn ich jetzt darüber nachdenke, muss das ein tolles Bild gewesen sein: Eine Frau im Babydoll (bei meiner Figur ein Anblick bei dem man fast blind wird) mit einer Pistole und einer Machete in der Hand, umringt von kläffenden Kötern und einer Mini-Katze, rennt mitten in der Nacht völlig unkontrolliert und wild schreiend durchs Gelände. Ich wollte dieses Tier unbedingt verjagen, die Hunde hätten sonst keine Ruhe gegeben und Schlafen wäre dann auch unmöglich gewesen. Das ganze Spektakel dauerte bis vier Uhr morgens. Das blöde Tier haute einfach richtung Wald ab und die Hunde waren weit vor mir wieder im Bett, zwei von ihnen leider in Meinem!
Lange Rede, kurzer Sinn. Was ich eigentlich sagen wollte ist... ääähhhh.... keine Ahnung....... ich bin ja soooo müde!

Dienstag, 16. März 2010

Ich bin wieder Mama


Es ist geschafft, die Küken sind geschlüpft! Ich bin Mama von 28 putzigen, puscheligen kleinen Hühnern die mich mit grossen Augen anstarren. Ich frage mich jedes mal, was die Kleinen denn jetzt von mir erwarten. Also zeige ich ihnen wo sie Wasser und Futter finden, erzähle ihnen kleine Geschichten und manchmal singe ich auch für sie. (Letzteres unterlasse ich aber tunlichst, wenn Pierre in der Nähe ist. Er bekommt dann immer diesen seltsamen Gesichtsausdruck).
Diesmal ist allerdings etwas anders als sonst. Zwischen all den gelben Plüschbällen ist dieses mal ein... Schwarzes! Hat sich die Mutter dieses Kükens etwa heimlich aus dem Stall geschlichen und unseren stolzen Hahn mit einem dahergelaufenen Gockel betrogen? Ist sie vielleicht sogar nymphoman, hat sich herumgetrieben und weiss noch nicht einmal wer der Vater des Kükens ist? Was für ein Flittchen!

Im Grunde ist mir das egal. Das schwarze Küken ist genau so puschelig und süss wie alle Anderen. Ich mag Hühner wirklich richtig gerne. Am liebsten mit Safranreis und Buttermais.

Montag, 15. März 2010

Tag 21

Huhhhh.... ich bin ganz aufgeregt. Heute ist es wieder so weit, es ist Tag 21.
Eine unserer Einnahmequellen ist die Zucht von Küken. Zu diesem Zwecke und um das bestmögliche Ergebnis zu erziehlen, benutzen wir eine Brutmaschine. Alle 21 Tage schlüpft bei uns also ein Satz Küken, 25-35 Stück.
An diesem Stichtag benehme ich mich immer wie ein werdender Vater im Wartesaal. Ich renne hin und her, lausche und versuche einen Blick auf die kleinen Wunder zu erhaschen. Bis zu 2 Tagen dauert das Spektakel und nervenaufreibend ist, dass man die Brutmaschine nicht öffnen und nicht mit einer Lampe hineinleuchten darf. Das macht mich wahnsinnig. Ich höre die kleinen Wesen darin piepsen und kann noch nicht mal zusehen. Es ist ja nicht so, als hätte ich nicht schon Küken schlüpfen sehen... es ist eben immer wieder aufregend.
Ich muss den Eintrag auch an dieser Stelle abbrechen, es ist Zeit mal wieder ein wenig im Kreis zu laufen.

Freitag, 12. März 2010

Schwein

Paraguay ist das Land der Rinder- und Hühnerzüchter. Leider gibt es daher grossen Mangel an Schweinefleisch. Für uns ist das zeitweise fatal, da wir am Tag eine Menge Schwein grillen und viele Kunden nur deswegen bei uns essen kommen.
Aber heute schien Fortuna ihr Füllhorn über uns ausgeschüttet zu haben. Einer unserer Stammkunden fragte uns, ob wir ein ganzes Schwein kaufen würden. Es hätte um die 100kg und der Preis war wirklich annehmbar. Während Pierre das Geschäft noch mit Handschlag besiegelte, eilte ich schon einmal in die Küche um die Verarbeitung und Portionierung des Fleisches zu planen.
Der Mann war schon fast aus der Tür als klar wurde, dass die Konditionen des Handels nicht ausführlich genug besprochen wurden:
Schweinemann: "Ich bring das Schwein dann morgen früh zu eurem Haus."
Pierre: "Was sollen wir denn zu Hause mit dem Schwein? Bring uns das bitte zum Laden."
Schweinemann: "Öööhh, was wollt ihr denn im Laden mit dem Schwein?"
Pierre: "Zerteilen und einfrieren!?"
Schweinmann: "Ihr könnt doch das Schwein hier im Laden nicht schlachten, das macht ihr besser zu Hause."
(Ein länger anhaltendes, betretenes Schweigen setzte ein.)
Pierre: "Wie.... das Schwein lebt noch?"
Der Rest dieser Konversation wurde vom Rauschen des Blutes in meinen Ohren übertönt.

Morgen früh um 7 Uhr wird dieses Schwein nun bei uns zu Hause eintreffen und ich hoffe, der Metzger wird es spätestens um 7:02 Uhr abholen. Sollte ich mehr als diese zwei Minuten mit der Wutz verbringen müssen, haben wir ein weiteres Haustier. Ich habe schon ein bisschen nachgelesen. Schweine sind sehr klug und gelehrig und man kann sie erziehen wie einen Hund. Ausserdem sind die eigentlich total süss und man kann ihnen alle Küchenabfälle füttern. Wir können ja vielleicht auch noch einen Eber dazu kaufen und kriegen dann kleine, süsse Schweinebabys und die schlachten wir dann ganz, ganz bestimmt....

Montag, 8. März 2010

Juanita und Scarlett

Heute ist es wirklich passiert, wir haben die Rüden entmannt... eher entmannen lassen.
Hinterhältig haben wir die Beiden unter Vorspiegelung guter Laune und einer schönen Unternehmung ins Auto gelockt. Wedelnd sassen die zwei im Kofferraum und erst auf dem Parkplatz des Veterinario wurde die ausgelassene Stimmung auf der Ladefläche ein wenig bedeckter.
Der Tierarzt erledigte seinen Job und Pierre hatte so ein furchtbar schlechtes Gewissen den Beiden gegenüber, dass er sogar ein kleines Tränchen wegdrücken musste. Männer... als ginge es um seinen .... ääähhh... Hoden. Ausserdem musste er dem Tierarzt assistieren, was seiner Stimmung nicht zuträglich war (hier ist halt alles ein bisschen anders). Ein wenig besser ging es seinem Gewissen dann aber, als der Tierarzt bei Jerry Hodenkrebs feststellte und diese OP quasi sein Leben rettete. Ende gut, alles gut....

Jetzt liegen die beiden Futterfriedhöfe (vormals Scooby doo und Jerry, jetzt Juanita und Scarlett) hier herum und schauen uns strafend an. Immer wieder gönnen sie ihren Genitalien einen Kontrollblick und, wo heute morgen noch das pralle Leben und ihr ganzer Stolz schwang, hängt jetzt ein schlabbriger, faltiger Beutel. Selbst schuld...
Unsere kleine Hündin ist eben nach Hause gekommen und, anstatt wie sonst erst einmal eine Runde Gemeinheiten und hinterhältiger Attacken zu verteilen, ist sie ganz ruhig zu den Beiden gegangen, hat die besagten Problemzonen unter die Lupe genommen und verliess aktionsfrei den Raum.... ich bin mir aber sicher, dass ich ein leises Kichern gehört habe.

Mittwoch, 3. März 2010

Von Hühnern und Eiern

Der Tag begann heute wunderschön. Die Sonne kitzelte meine Nase, es duftete herrlich nach Kaffee und gebratenem Speck. Wohlig rekelte ich mich in den seidenen Laken und als ich die Augen öffnete sah ich, wie ein nubischer Gott im goldenen Gewand mir ein silbernes Tablett mit einem feudalen Frühstück reichte....
Blöderweise wachte ich genau in diesem Moment auf, weil mir einer unserer Köter das Gesicht ableckte und dabei den fauligen Atem des Todes verströhmte. Gleichzeitig versuchte er mit Mott-überzogenen Pfoten das Bett zu entern und sich ein Plätzchen darin zu erkämpfen.
Nach einer Minuten der Besinnung und Notfall-Meditation quälte ich mich aus den Federn. Die Frage war nun: "Warum ist der Hund so dreckig?" und nach einem Blick in die Runde der anderen Hunde: "Warum sind alle so dreckig? Was haben die wieder angestellt?"
Die niederschmetternde Antwort ereilte uns etwa 20 Minuten später. Diese Monster hatten sich scheinbar in Gemeinschaftsarbeit unter dem Zaun des Hühnerstalls durchgegraben und ein wenig gewildert. Wir haben also innerhalb einer Woche durch Nachbarshunde, wilde Tiere und unsere eigenen Hunde 35 Hühner verloren. Ein furchtbares Gemetzel.... ich will auch gar nicht weiter darauf eingehen.
Was jetzt ansteht ist logisch: Wir haben ab jetzt einen täglichen Verlust von 30 Eiern und am Montag haben unsere Rüden einen Verlust von insgesamt vier Eiern. Ich finde das fair!
Der Tierarzt hat gesagt, dass der Hund ruhiger ist, länger lebt und weniger anfällig ist. Ich habe darüber lange nachgedacht und irgendwie möchte ich all dies auch für Pierre. Der ist damit nicht einverstanden... ich weiss auch nicht warum!