34°C, die Sonne brennt vom strahlend blauen Himmel und die hohe Luftfeuchtigkeit verursacht ein leicht klebriges Gefühl auf der Haut... es ist Weihnachten und ich bin in Paraguay.
Wie jedes Jahr habe ich es bis jetzt nicht geschafft auch nur einen Funken Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen und wie jedes Jahr starte ich tapfer meine CD mit den klischeehaftesten Weihnachtsliedern, die ich finden konnte. Ich beginne mit den Vorbereitungen der Festlichkeiten und während sich tellergrosse Schweissflecken unter meinen Armen bilden, trällert Bing Cosby von einer weissen Weihnacht. Nach einer Stunde mit Liedern über Schlittenfahrten, Schneemänner, kuscheligen Stunden vor dem Kamin und einem bedeutungsvollen "Ernsthaft???" von Pierre, beschliesse ich dem akustischen Albtraum ein Ende zu setzen.
Es ist kurz nach Mittag und das halbe Dorf scheint auf den Beinen zu sein. Alte, klapprige Pickups mit gestapelten Stühlen und gestapelten Familienmitgliedern auf den Ladeflächen passieren unser Grundstück. Die Menschen sind fröhlich und in Feierstimmung. Für den Ruhe und Frieden suchenden Auswanderer sind das ganz schlechte Nachrichten, denn der Paraguayer feiert laut und ausgiebig. Es sind bereits die ersten Soundchecks aus verschiedenen Richtungen zu vernehmen. Paraguayischer Kachaka, Harfen- und Akkordeon Musik mischt sich, je nach Standort des unfreiwillig Beschallten, zu einer riesen Kakophonie und ich überlege sogar kurz, ob ich Bing Cosby nicht doch noch eine Chance geben soll...
Es ist später Nachmittag und ich habe es doch noch geschafft ein wenig zu dekorieren. Eine Agave muss als Weihnachtsbaum herhalten, um einige Palmen habe ich glitzernde Girlanden gewickelt und nach einer Stunde "Entknotungsarbeit", hängt auch unsere Lichterkette am Haus. Es herrscht totale Windstille, es ist heiss wie in einem Backofen und ich habe keine Ahnung, was ich noch ausziehen soll, ohne, dass die Nachbarn erblinden. Schwitzend hoffe ich auf baldigen Sonnenuntergang und mache eine grosse Schüssel Kartoffelsalat.
Es ist früher Abend. Es ist etwas abgekühlt und die Paraguayer heizen ihre Grills an. Die Musik dröhnt aus vielen Richtungen und die Menschen tanzen, singen und ihre langgezogenen Freudenschreie hört man durch das ganze Dorf. Kaum ist das erste Grillfleisch fertig, beginnt eine gross angelegte Lebensmittelrotation. Nach und nach kommen die Nachbarn vorbei und bringen Grillfleisch, Mandioca und Sopa und holen sich dafür Kartoffelsalat, Würstchen oder was es sonst noch so bei uns gibt. Nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei und zurück bleibt eine Menge kaltes Grillfleisch und ein kleiner Berg Sopa.... ich hasse Sopa. Die Musik dröhnt immer noch aus verschiedenen Richtungen, alle Hunde des Dorfes bellen gemeinsam, die Nachbarn zünden einen Böller nach dem Anderen und meine besinnliche Weihnacht kann ich mir in die Haare schmieren. Genervt gehe ich früh ins Bett. Unsanft aus dem Schlaf gerissen werde ich allerdings noch einmal um Mitternacht, als die Nachbarn ihr Feuerwerk starten. Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir allerdings, dass dieses Feuerwerk nicht schön, sondern nur laut ist.
Am nächsten Morgen werde ich durch nur allzu bekannte Klänge geweckt... es ist 6 Uhr und die Feierlichkeiten sind immer noch in vollem Gange. Die Musik dröhnt, über Nacht ist unsere Lichterkette (ein chinesisches Qualitätsprodukt) durchgebrannt, im paraguayischen Fernsehen hüpfen pralle Latinas in Weihnachtsstrapsen herum und wie jedes Jahr muss ich einsehen, dass Weihnachten nie mehr so sein wird, wie es mal war. Pierre ist das alles völlig egal. Hauptsache, es gibt was Leckeres zu essen.
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Samstag, 27. Dezember 2014
Samstag, 19. Juni 2010
In Paraguay ist es anders.
Uns war ja schon von Beginn an klar, dass viele Dinge in diesem Land sehr von dem uns Bekannten differieren würden, die Paraguayer und paraguayische Gepflogenheiten schaffen es aber wirklich immer wieder uns ein Lächeln zu entlocken oder gar schwere Kopfschüttelattacken auszulösen. Hier präsentiere ich eine kleine Sammlung unserer Erfahrungsbereicherungen:
1. Das Quitsch-Geräusch, das durch das Einsaugen von Luft durch gespitzte Lippen entsteht.
Dieses Geräusch ist äusserst animierend für unseren Scooby. Wir locken unsere Hunde immer mit diesem Geräusch, wenn deren Malzeit angerichtet ist. Dieser Umstand hat für unseren Paraguayer natürlich für ihn unvorhergesehene Auswirkungen. Scooby läuft nicht nur noch schneller auf die Person zu, er beginnt auch noch freudig zu bellen. Ein ganz hervorragender Moment für eine spontane und unkontrollierte Darmentleerung.
2. Das Drohen mit einem Besen.
Pierre liebt es mit dem dicken Hund auf der Wiese zu toben und dabei spielen die Beiden oft mit einem alten Besen, den ich ausrangiert habe. Ziel des Spiels ist es, des Besens habhaft zu werden und ihn mir zu bringen. Leider bringt mir Scooby nicht nur meinen alten Besen, er hat mir mittlerweile schon drei Besen gebracht, die mir völlig unbekannt sind.
3. Das Aufheben und Werfen eines Steins.
Diese Methode bedarf eigentlich keiner weiteren Erläuterung. Ganz abgesehen davon, dass Scoobys Drang jegliche Dinge zu apportieren sehr ausgeprägt ist, müsste er schon mit Obelix' Hinkelstein beworfen werden, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen.
- Frauen mit kurzen Haaren gelten als defekte, wertgeminderte Ware
- Mädchen, die mit 16 nicht mindestens ein Kind zur Welt gebracht haben, sind keine vollwertige Menschen. Das sind Frauen hier im allgemeinen eh' nicht, aber der Wert der kinderlosen Dame sinkt um weitere fünf Punkte. Eine frühe Mutterschaft tangiert die Mädchen auch recht wenig, da die sabbernden Bündel in 80% der Fälle sowieso bei der Grossmutter abgeliefert werden. Sollte das Mädchen den Kindsvater wirklich kennen, wird die Frucht seiner Lenden gerne auch ihm vor die Türe gelegt. Einer unserer Nachbarn ist auf diese weise bereits achtfacher Vater, dass zwei dieser Kinder hellblond sind, kann er sich auch nicht wirklich erklären.
- In Europa ist es ein Teil der guten Erziehung bei der Begrüssung einer anwesenden Dame zuerst die Hand zu geben.... sollte ein Mann dies hier wagen, gibt's direkt eine auf's Gesicht! Aus dem selben Grund werden Frauen hier im allgemeinen nicht gegrüsst, es sei denn man kennt sich sehr gut. Sollte eine unbekannte Frau Eigeninitiative entwickeln und als Erste grüssen, signalisiert sie damit unbegrenzte Paarungsbereitschaft.
- In Paraguay findet der aufmerksame Beobachter auf den Fahrzeugen mit den lustigen, bunten Lampen auf dem Dach eine Zahl: 911. Bei unserer Ankunft hier unterlagen wir noch dem Irrtum dies sei eine Notruf-Nummer... weit gefehlt. Dem Anrufer dieser Nummer ist durchaus die Möglichkeit gegeben dem Herrn oder der Dame am anderen Ende der Leitung seine Geschichte zu erzählen, dies hat aber keinerlei weitere Konsequenzen. Die Polizei kommt nicht, wenn sie keine Lust hat. In diesem Land haben die Bewohner keinerlei Anspruch auf den Service dieser Institution. Vor einigen Tagen wütete ein Betrunkener mit seiner Machete durch die Nachbarschaft, bedrohte die Menschen und schlug Scheiben ein. Trotz mehrfacher Anrufe verschiedener Nachbarn liess sich keiner der uniformierten Bierfriedhöfe hier blicken. Der Betrunkene wurde dann in einem Akt von Selbstjustiz durch die vereinigte Nachbarschaft niedergestreckt.
- Hunde sind nicht sehr beliebt in Paraguay und werden meist auch nicht wie ein Lebewesen behandelt. Das durchschnittliche Flohtaxi reagiert hier auf drei eindeutige Zeichen mit sofortiger Flucht, allerdings haben unsere Hunde das sooo nie gelernt. Wenn also unser 55kg Labrador Monsterköter namens Scooby Doo auf einen Paraguayer zum Zwecke des "gestreichelt werdens" zustürmt, wendet dieser verängstigt folgende Techniken an:
1. Das Quitsch-Geräusch, das durch das Einsaugen von Luft durch gespitzte Lippen entsteht.
Dieses Geräusch ist äusserst animierend für unseren Scooby. Wir locken unsere Hunde immer mit diesem Geräusch, wenn deren Malzeit angerichtet ist. Dieser Umstand hat für unseren Paraguayer natürlich für ihn unvorhergesehene Auswirkungen. Scooby läuft nicht nur noch schneller auf die Person zu, er beginnt auch noch freudig zu bellen. Ein ganz hervorragender Moment für eine spontane und unkontrollierte Darmentleerung.
2. Das Drohen mit einem Besen.
Pierre liebt es mit dem dicken Hund auf der Wiese zu toben und dabei spielen die Beiden oft mit einem alten Besen, den ich ausrangiert habe. Ziel des Spiels ist es, des Besens habhaft zu werden und ihn mir zu bringen. Leider bringt mir Scooby nicht nur meinen alten Besen, er hat mir mittlerweile schon drei Besen gebracht, die mir völlig unbekannt sind.
3. Das Aufheben und Werfen eines Steins.
Diese Methode bedarf eigentlich keiner weiteren Erläuterung. Ganz abgesehen davon, dass Scoobys Drang jegliche Dinge zu apportieren sehr ausgeprägt ist, müsste er schon mit Obelix' Hinkelstein beworfen werden, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen.
Samstag, 29. Mai 2010
Aaaarrrghhh... Werwolf!
"Wenn der Schein des Vollmondes am Freitag die Nacht erhellt, werden manche Männer zum Werwolf...(Luison)", das erzählt die Legende in Paraguay. Einer unserer Kunden berichtete uns von seinem Schwager, den dieses Schicksal immer wieder ereilt, wenn Vollmond auf einen Freitag fällt. Wenn die Sonne sinkt und der Vollmond erscheint, gebärdet sich sein Schwager wie toll: Er läuft auf allen Vieren, beisst wild um sich, knurrt und heult wie ein Wolf und ist nicht mehr ansprechbar. Eine äusserliche Veränderung wie zum Beispiel spontaner Fellwuchs oder plötzliche Reisszahnverlängerung konnte bis jetzt nicht festgestellt werden. Es wächst ihm keine Rute und es entwickeln sich keine Krallen oder gar Pfoten. Nachdem er also einige Zeit seine Familie mit diesem wilden Verhalten terrorisiert hat, reisst er unvermutet alles Bargeld an sich und verschwindet wild heulend auf allen Vieren in der Dunkelheit. Am nächsten Tag kann er sich an nichts erinnern und kann auch den Verbleib des Geldes nicht erklären. Oooohhh, wie gruselig!
JETZT MAL IM ERNST! Mir haben auch schon einige Leute versucht die wildesten Märchen zu erzählen um ihr persönliches Fehlverhalten zu vertuschen, aber wer eine solche Geschichte glaubt muss wirklich hinter dem Mond leben... oder in Paraguay. Ich kann ein wenig nachvollziehen, dass Menschen die von Geburt an mit Legenden wie dem Ao Ao, Pombero und Kurupi permanent konfrontiert wurden und deren Eltern fest an diese Geschichten glaubten auch auf eine solche Scharade hereinfallen.
Was für ein gerissenes Kerlchen. Er benimmt sich an diesem Freitag Abend (ooohhh, was für ein Zufall. Wochenende, Vollmond und Lohn... alles an einem Tag!) einfach für ein Stündchen wie ein Hansel, kann danach ungeschoren die gesamte Kohle mit seinen Kumpels verfeiern und wird am nächsten Tag dafür auch noch von seiner Familie bedauert. Aaaarrgghhh.... ich krich Plaque!
Ich habe ein wenig recherchiert und habe eine Legende gefunden, die ich schamlos für meine Zwecke nutzen könnte....den Kurupi... wenn Pierre nicht des Internets mächtig wäre. Verdammt!
JETZT MAL IM ERNST! Mir haben auch schon einige Leute versucht die wildesten Märchen zu erzählen um ihr persönliches Fehlverhalten zu vertuschen, aber wer eine solche Geschichte glaubt muss wirklich hinter dem Mond leben... oder in Paraguay. Ich kann ein wenig nachvollziehen, dass Menschen die von Geburt an mit Legenden wie dem Ao Ao, Pombero und Kurupi permanent konfrontiert wurden und deren Eltern fest an diese Geschichten glaubten auch auf eine solche Scharade hereinfallen.
Was für ein gerissenes Kerlchen. Er benimmt sich an diesem Freitag Abend (ooohhh, was für ein Zufall. Wochenende, Vollmond und Lohn... alles an einem Tag!) einfach für ein Stündchen wie ein Hansel, kann danach ungeschoren die gesamte Kohle mit seinen Kumpels verfeiern und wird am nächsten Tag dafür auch noch von seiner Familie bedauert. Aaaarrgghhh.... ich krich Plaque!
Ich habe ein wenig recherchiert und habe eine Legende gefunden, die ich schamlos für meine Zwecke nutzen könnte....den Kurupi... wenn Pierre nicht des Internets mächtig wäre. Verdammt!
Dienstag, 13. April 2010
Abort der Fornikation
Es gibt Tage, da glaube ich fest daran Teil einer medizinischen Forschungreihe zu sein in der die Belastbarkeit meiner Herzkranzgefässe und Magengeschwüre getestet werden soll. So einfach kriegen die mich aber nicht klein!
Samstag Abend beglückten uns zwei Damen und zwei Herren zum Zwecke der Nahrungsaufnahme mit ihrer Gegenwart. Das ist in soweit auch sehr erfreulich, wir verbringen unsere Zeit ja nicht zum Spass im Geschäft. Die lustigen Vier haben es sich auch richtig gut gehen lassen und zum Dank für unser gutes Essen und den zuvorkommenden Service, durften wir Zeuge der Darbietung einer südamerikanischen Telenovela in live Performance werden. Der Stoff, den dieses Ensemble innerhalb von 20 Minuten verarbeitet hat, würde bei der Lindenstrasse locker sechs Folgen benötigen.
Darsteller:
Nachdem die Protagonisten ihr Mahl beendet hatten, verschwand Dolores auf unserer Toilette. Daran wäre nichts zu mäkeln, leider folgte ihr nach ca. einer Minute Antonio. Die Beiden hatten die Türe des WC nicht geschlossen und die ertönende Geräuschkulisse liess den Schluss zu, dass das Pärchen nicht Monopoly spielte. Während wir uns wie kleine Schulmädchen kichernd darüber amüsierten, gesellte sich Pedro (Dolores Ehemann) zu uns. So etwas ist für mich immer der exakte Zeitpunkt von der Bildfläche zu verschwinden, von der Küche aus kriege ich auch alles mit, aber ich kann ungestraft Fratzen machen...
Pedro konzentrierte sich also auf Pierre und versuchte ihm eine Unterhaltung über das, was gerade in der Toilette passierte, aufzudrängen.... er unternahm aber nichts.
Nach ca. fünf Minuten kam das Pärchen aus dem WC und Dolores wollte sich noch einmal an Antonio schmiegen, welcher Diese mit einer theatralischen Handbewegung von sich drückte:
Antonio (feurig): "Geh' weg du Schlampe."
Pedro: "...."
Dolores (den Tränen nahe): "Aber...."
Antonio (temperamentvoll): "Nein, hau' ab. Mit dir bin ich fertig!"
Pedro: "......"
Dolores (schwer theatralisch): "Du Schwein, ich dachte du willst mich!"
Antonio (überheblich): "Ich hatte dich doch. Was soll ich denn mit so einer?"
Pedro: "..........."
(Dolores fängt an mit Fäusten auf Antonio einzuschlagen.)
Dolores (hysterisch): "Du Hurenbock, ich werde dich umbringen"
Pedro: "..................."
(Antonio lacht, dreht sich einfach um und setzt sich wieder an den Tisch. Dolores stürmt schreiend und weinend aus dem Laden und verschwindet langsam in der Dunkelheit. Es tritt für zwei Minuten peinliches, betretenes Schweigen ein. Dolores erscheint noch einige Male um Antonio übelst zu beschimpfen, dieser schenkt ihr keinerlei Beachtung.)
Pedro (seufzt): "So ist das hier in Paraguay. Dann nehm ich die wohl wieder!"
Als das Ensemble die Szene verlassen hatte, richtete Pierre das Wort an mich:
Pierre: "Duuuu Maaauuuus... wir haben doch gesagt, dass wir uns den Gepflogenheiten hier wirklich anpassen wollen...."
Ich: "Du hast recht Hase. Ich bin dann schon mal auf dem Klo. Den grossen Typen von Tisch zwei kannst du gleich schicken!"
Pierre: "......................................"
Samstag Abend beglückten uns zwei Damen und zwei Herren zum Zwecke der Nahrungsaufnahme mit ihrer Gegenwart. Das ist in soweit auch sehr erfreulich, wir verbringen unsere Zeit ja nicht zum Spass im Geschäft. Die lustigen Vier haben es sich auch richtig gut gehen lassen und zum Dank für unser gutes Essen und den zuvorkommenden Service, durften wir Zeuge der Darbietung einer südamerikanischen Telenovela in live Performance werden. Der Stoff, den dieses Ensemble innerhalb von 20 Minuten verarbeitet hat, würde bei der Lindenstrasse locker sechs Folgen benötigen.
Darsteller:
- Dolores verheiratet mit....
- Pedro
- Antonio
- Paola die im Verlauf jedoch keine Rolle spielt
Nachdem die Protagonisten ihr Mahl beendet hatten, verschwand Dolores auf unserer Toilette. Daran wäre nichts zu mäkeln, leider folgte ihr nach ca. einer Minute Antonio. Die Beiden hatten die Türe des WC nicht geschlossen und die ertönende Geräuschkulisse liess den Schluss zu, dass das Pärchen nicht Monopoly spielte. Während wir uns wie kleine Schulmädchen kichernd darüber amüsierten, gesellte sich Pedro (Dolores Ehemann) zu uns. So etwas ist für mich immer der exakte Zeitpunkt von der Bildfläche zu verschwinden, von der Küche aus kriege ich auch alles mit, aber ich kann ungestraft Fratzen machen...
Pedro konzentrierte sich also auf Pierre und versuchte ihm eine Unterhaltung über das, was gerade in der Toilette passierte, aufzudrängen.... er unternahm aber nichts.
Nach ca. fünf Minuten kam das Pärchen aus dem WC und Dolores wollte sich noch einmal an Antonio schmiegen, welcher Diese mit einer theatralischen Handbewegung von sich drückte:
Antonio (feurig): "Geh' weg du Schlampe."
Pedro: "...."
Dolores (den Tränen nahe): "Aber...."
Antonio (temperamentvoll): "Nein, hau' ab. Mit dir bin ich fertig!"
Pedro: "......"
Dolores (schwer theatralisch): "Du Schwein, ich dachte du willst mich!"
Antonio (überheblich): "Ich hatte dich doch. Was soll ich denn mit so einer?"
Pedro: "..........."
(Dolores fängt an mit Fäusten auf Antonio einzuschlagen.)
Dolores (hysterisch): "Du Hurenbock, ich werde dich umbringen"
Pedro: "..................."
(Antonio lacht, dreht sich einfach um und setzt sich wieder an den Tisch. Dolores stürmt schreiend und weinend aus dem Laden und verschwindet langsam in der Dunkelheit. Es tritt für zwei Minuten peinliches, betretenes Schweigen ein. Dolores erscheint noch einige Male um Antonio übelst zu beschimpfen, dieser schenkt ihr keinerlei Beachtung.)
Pedro (seufzt): "So ist das hier in Paraguay. Dann nehm ich die wohl wieder!"
Als das Ensemble die Szene verlassen hatte, richtete Pierre das Wort an mich:
Pierre: "Duuuu Maaauuuus... wir haben doch gesagt, dass wir uns den Gepflogenheiten hier wirklich anpassen wollen...."
Ich: "Du hast recht Hase. Ich bin dann schon mal auf dem Klo. Den grossen Typen von Tisch zwei kannst du gleich schicken!"
Pierre: "......................................"
Donnerstag, 1. April 2010
Peinlich, peinlich
Letzten Samstag kam einer unserer Nachbarn spät Abends in unseren Laden. Das ist natürlich nichts Ungewöhnliches, aber normalerweise kaufen diese Nachbarn, da sie alle nicht arbeiten und dauerhaft pleite sind, bei uns nur Stärke und Eier um Chippas zu machen. Diesmal war es aber anders. Er betrat mit einer fremden Frau den Laden, legte 10.000Gs auf den Tisch und bestellte stolz Grillfleisch mit Brot und unserer Spezialmayonnaise für zwei Personen. Das fand ich schon ein wenig seltsam, da er verheiratet ist und er zwei Kinder hat. Aber das ist ja nicht meine Sache und es ist hier nicht so sehr ungewöhnlich. Es ist normal, dass Männer hier mehrere Freundinnen haben.
Während ich die Bestellung verpackte, war von draussen ein lautes Lachen zu vernehmen, dass mir doch sehr bekannt erschien. Die Tür öffnete sich und die 14jährige Tochter des Kunden kam in den Laden. In den Arm ihres ca. 40jährigen Begleiters gekuschelt hielt sie eine Büchse Bier in der Hand. Es trat betretenes Schweigen ein. Nach ca. 30 Sekunden (von mir gefühlten 30 Minuten in denen ich zwanghaft mein Lachen unterdrückte) brach der Vater die Stille:
Vater: „Was machst du denn hier?“
Tochter: „Das frage ich dich auch!“
Vater: „Ich denke du bist krank und liegst schon seit Stunden im Bett?“
Tochter: „...und ich dachte wir hätten kein Geld und darum gab es nur Brot und Öl zum Essen?!“
Wieder liess das Schweigen der Beiden die Stille unerträglich laut werden.
Vater: „Erzählst du das der Mama?“
Tochter: „Nein, du denn?“
Vater: „Nein, mache ich nicht. Wir sehen uns morgen früh.“
Alle verliessen fluchtartig das Lokal in verschiedenen Richtungen und ich muss sagen, ich war für einige Sekunden ein wenig sprachlos. So kenne ich mich gar nicht.
Pierre: „Oh, la puta. Das war peinlich. Hast du die Freundin von dem Kerl gesehen? Wo hat der die denn gekauft? Kriegt man hier so was für ein bisschen Grillfleisch? Davon haben wir noch....“
Ich: „Appetit auf Brot, Öl und einen Tritt in den Hintern?“
….und wieder füllte Stille den Raum!
Während ich die Bestellung verpackte, war von draussen ein lautes Lachen zu vernehmen, dass mir doch sehr bekannt erschien. Die Tür öffnete sich und die 14jährige Tochter des Kunden kam in den Laden. In den Arm ihres ca. 40jährigen Begleiters gekuschelt hielt sie eine Büchse Bier in der Hand. Es trat betretenes Schweigen ein. Nach ca. 30 Sekunden (von mir gefühlten 30 Minuten in denen ich zwanghaft mein Lachen unterdrückte) brach der Vater die Stille:
Vater: „Was machst du denn hier?“
Tochter: „Das frage ich dich auch!“
Vater: „Ich denke du bist krank und liegst schon seit Stunden im Bett?“
Tochter: „...und ich dachte wir hätten kein Geld und darum gab es nur Brot und Öl zum Essen?!“
Wieder liess das Schweigen der Beiden die Stille unerträglich laut werden.
Vater: „Erzählst du das der Mama?“
Tochter: „Nein, du denn?“
Vater: „Nein, mache ich nicht. Wir sehen uns morgen früh.“
Alle verliessen fluchtartig das Lokal in verschiedenen Richtungen und ich muss sagen, ich war für einige Sekunden ein wenig sprachlos. So kenne ich mich gar nicht.
Pierre: „Oh, la puta. Das war peinlich. Hast du die Freundin von dem Kerl gesehen? Wo hat der die denn gekauft? Kriegt man hier so was für ein bisschen Grillfleisch? Davon haben wir noch....“
Ich: „Appetit auf Brot, Öl und einen Tritt in den Hintern?“
….und wieder füllte Stille den Raum!
Montag, 15. März 2010
Tochter im Angebot
Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen nicht immer so furchtbar überrascht zu sein, wenn wir mit Ereignissen konfrontiert werden, die sehr von unserer Kultur differieren, ich war nämlich schon auf dem besten Wege einen chronischen Tremor davon zu bekommen.
Leider muss ich zugeben, dass es mal wieder jemand geschafft hat.... für Stunden überfielen mich immer wieder Anfälle schweren, unkontrollierten Kopfschüttelns.
Samstag kam ein neuer Kunde in den Laden, setzte sich an einen Tisch, bestellte ein Bier und als Pierre gerade Zeit hatte, sprach der Kunde ihn an.
Seine Tochter würde öfter Eis bei uns kaufen und sie wäre sehr angetan von Pierre. Dieser war ein wenig verwirrt, bedankte sich aber erst einmal für das Kompliment und wollte seiner Arbeit weiter nachgehen. Der Kunde liess aber nicht locker. Seine Tochter wäre jetzt 16 Jahre alt und hätte auch erst ein Kind. Sie wäre also quasi neuwertig. Er, als ihr Vater, würde nun Pierre seine Tochter zur Benutzung anbieten. Mein armer, kleiner Franzose war mit dieser Situation völlig überfordert. Er versuchte dem Mann zu erklären, dass er bereits eine Frau hätte und auch keine Neue suchen würde. Das war dem Vater völlig gleichgültig. Pierre könne die Tochter ja schliesslich nebenbei als Freundin haben, das wäre ihr egal und das machen hier alle so. Aufgrund seiner guten Erziehung (und seiner französischen Gene) versucht Pierre immer höflich und charmant zu bleiben und ihm wurde schnell klar, dass er mit seiner Art dieser Situation nicht mit Anstand entfliehen konnte. Nach weiteren 10 Minuten dieser blödsinnigen Diskussion blieb nur die Notbremse:
Pierre (rufend): "Cheeerriiiieee!!??"
Ich (mit meiner lieblichen, damenhaften Stimme): "Waaaas?!"
Pierre: "Kommst du bitte mal nach vorne? Hier hat mir ein Herr ein Angebot gemacht!"
Und dann kam sie nach vorne. Cherie (also ich).... 1,70m gross, 130kg Lebendgewicht, auf 1cm Resthaar rasierter Kopf mit einer Stimme wie ein Bauarbeiter.
Ich (ziemlich ungehalten mit einem grossen Messer in der Hand): "Was für ein Angebot?"
Das Ende der Geschichte ist ganz schnell erzählt. Der Mann starrte mich einige Sekunden lang mit weit aufgerissenen Augen an, warf einen Geldschein auf den Tisch und verliess fluchtartig unser Lokal.
Ich wüsste trotzdem gerne, welche der Chicas seine Tochter ist. Hier kann man ja soooo viel Spass haben!
Leider muss ich zugeben, dass es mal wieder jemand geschafft hat.... für Stunden überfielen mich immer wieder Anfälle schweren, unkontrollierten Kopfschüttelns.
Samstag kam ein neuer Kunde in den Laden, setzte sich an einen Tisch, bestellte ein Bier und als Pierre gerade Zeit hatte, sprach der Kunde ihn an.
Seine Tochter würde öfter Eis bei uns kaufen und sie wäre sehr angetan von Pierre. Dieser war ein wenig verwirrt, bedankte sich aber erst einmal für das Kompliment und wollte seiner Arbeit weiter nachgehen. Der Kunde liess aber nicht locker. Seine Tochter wäre jetzt 16 Jahre alt und hätte auch erst ein Kind. Sie wäre also quasi neuwertig. Er, als ihr Vater, würde nun Pierre seine Tochter zur Benutzung anbieten. Mein armer, kleiner Franzose war mit dieser Situation völlig überfordert. Er versuchte dem Mann zu erklären, dass er bereits eine Frau hätte und auch keine Neue suchen würde. Das war dem Vater völlig gleichgültig. Pierre könne die Tochter ja schliesslich nebenbei als Freundin haben, das wäre ihr egal und das machen hier alle so. Aufgrund seiner guten Erziehung (und seiner französischen Gene) versucht Pierre immer höflich und charmant zu bleiben und ihm wurde schnell klar, dass er mit seiner Art dieser Situation nicht mit Anstand entfliehen konnte. Nach weiteren 10 Minuten dieser blödsinnigen Diskussion blieb nur die Notbremse:
Pierre (rufend): "Cheeerriiiieee!!??"
Ich (mit meiner lieblichen, damenhaften Stimme): "Waaaas?!"
Pierre: "Kommst du bitte mal nach vorne? Hier hat mir ein Herr ein Angebot gemacht!"
Und dann kam sie nach vorne. Cherie (also ich).... 1,70m gross, 130kg Lebendgewicht, auf 1cm Resthaar rasierter Kopf mit einer Stimme wie ein Bauarbeiter.
Ich (ziemlich ungehalten mit einem grossen Messer in der Hand): "Was für ein Angebot?"
Das Ende der Geschichte ist ganz schnell erzählt. Der Mann starrte mich einige Sekunden lang mit weit aufgerissenen Augen an, warf einen Geldschein auf den Tisch und verliess fluchtartig unser Lokal.
Ich wüsste trotzdem gerne, welche der Chicas seine Tochter ist. Hier kann man ja soooo viel Spass haben!
Mittwoch, 10. März 2010
Mama
Heute betrat eine alte Dame den Laden. Eine Paraguayerin im Herbst ihres Lebens, geschätzte 75-80 Jahre alt, höchstens 1,50m klein, von den Jahrzehnten schwerer Feldarbeit gebeugt und die Haut von der Sonne gegerbt. Allerdings auch mit vielen, hübschen Lachfalten um die Augen, eingegraben von glücklichen Momenten. Eine angenehme Person die man automatisch mit viel Respekt und Entgegenkommen behandelt.
Nach der Begrüssung eröffnete sie uns, dass sie nichts kaufen wolle, sie hätte ein anderes Anliegen. Ihr Sohn Juan würde bei uns täglich sehr viel Canja (ein ganz übler Schnaps) einkaufen und sie bat uns, den Verkauf an ihn zu unterlassen. Sie würde also hiermit verbieten, dass Juan Alkohol bei uns kauft.
Pierre war total geschockt und sagte ihr, dass wir das natürlich ab sofort unterbinden würden. Er entschuldigte sich vielmals und versicherte mehrmals, dass dies nicht noch einmal vorkommen würde.
(Hier gibt es natürlich auch eine Regelung, dass Jungendliche unter 21 Jahren keinen Alkohol konsumieren dürfen und auch der Verkauf zum Konsum verboten ist. Allerdings wird dies hier wie in den 70ern in Deutschland behandelt. Wenn der Sohn eines Nachbarn kommt und für seinen Vater Alkohol und Zigaretten kauft, ist das schon in Ordnung. Wir kennen die Nachbarn hier ja gut, bis jetzt gab es keinerlei Probleme.)
Die Dame war sichtlich erleichtert und wollte gerade den Laden verlassen, als Pierre sie fragte, wer denn ihr Sohn sei. Die Dame zeigte aus dem Fenster zum Nachbarn rüber: "Der da, in der grauen Hose."
Da sass nun Juan, 1,80m gross, ein Kreuz wie ein Preisboxer mit einer Flasche Schnaps in der Hand. Allerdings ist Juan auch 53 Jahre alt und sieht fast älter aus als seine Mutter.
Pierre richtete erleichtert, aber auch belustigt, noch einmal das Wort an die Dame, diese verliess aber sichtlich befriedigt den Laden, ohne sich noch einmal umzudrehen. Wir hatten noch einige Minuten Zeit um uns über diese Geschichte zu amüsieren, da steuerte Juan auf unser Lokal zu.
Juan: "Eine Flasche Canja, bitte!"
Pierre: "Ich kann dir keinen Canja mehr geben."
Juan: "Doch, schau hier, ich habe auch Geld."
Pierre: "Nein, das geht nicht. Deine Mama war hier und hat das verboten."
Juan: "Scheisse!"
Bedrückt schlich Juan wieder zurück zum Nachbarn, welcher ein paar Minuten später erschien um zwei Flaschen Canja zu kaufen. Da mischen wir uns aber nicht mehr ein, das muss Mama mit dem Nachbarn klären!
Nach der Begrüssung eröffnete sie uns, dass sie nichts kaufen wolle, sie hätte ein anderes Anliegen. Ihr Sohn Juan würde bei uns täglich sehr viel Canja (ein ganz übler Schnaps) einkaufen und sie bat uns, den Verkauf an ihn zu unterlassen. Sie würde also hiermit verbieten, dass Juan Alkohol bei uns kauft.
Pierre war total geschockt und sagte ihr, dass wir das natürlich ab sofort unterbinden würden. Er entschuldigte sich vielmals und versicherte mehrmals, dass dies nicht noch einmal vorkommen würde.
(Hier gibt es natürlich auch eine Regelung, dass Jungendliche unter 21 Jahren keinen Alkohol konsumieren dürfen und auch der Verkauf zum Konsum verboten ist. Allerdings wird dies hier wie in den 70ern in Deutschland behandelt. Wenn der Sohn eines Nachbarn kommt und für seinen Vater Alkohol und Zigaretten kauft, ist das schon in Ordnung. Wir kennen die Nachbarn hier ja gut, bis jetzt gab es keinerlei Probleme.)
Die Dame war sichtlich erleichtert und wollte gerade den Laden verlassen, als Pierre sie fragte, wer denn ihr Sohn sei. Die Dame zeigte aus dem Fenster zum Nachbarn rüber: "Der da, in der grauen Hose."
Da sass nun Juan, 1,80m gross, ein Kreuz wie ein Preisboxer mit einer Flasche Schnaps in der Hand. Allerdings ist Juan auch 53 Jahre alt und sieht fast älter aus als seine Mutter.
Pierre richtete erleichtert, aber auch belustigt, noch einmal das Wort an die Dame, diese verliess aber sichtlich befriedigt den Laden, ohne sich noch einmal umzudrehen. Wir hatten noch einige Minuten Zeit um uns über diese Geschichte zu amüsieren, da steuerte Juan auf unser Lokal zu.
Juan: "Eine Flasche Canja, bitte!"
Pierre: "Ich kann dir keinen Canja mehr geben."
Juan: "Doch, schau hier, ich habe auch Geld."
Pierre: "Nein, das geht nicht. Deine Mama war hier und hat das verboten."
Juan: "Scheisse!"
Bedrückt schlich Juan wieder zurück zum Nachbarn, welcher ein paar Minuten später erschien um zwei Flaschen Canja zu kaufen. Da mischen wir uns aber nicht mehr ein, das muss Mama mit dem Nachbarn klären!
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